Sichere, Vorbereitete Umgebung: der Wurzelplatz

Maria Montessori und Rebecca Wild beschreiben in ihren Büchern sehr ausführlich, wie wichtig eine sichere und entspannte Umgebung für die Entwicklung der Kinder ist. Für sie bedeuten das zum einen, daß die Betreuer selbst entspannt sind und dafür sorgen daß gewisse Regeln eingehalten werden und zum Anderen daß die räumliche Umgebung den Kindern so vertraut ist, daß sie sich dort sicher fühlen.

Für Kinder ist es aus diesen Gründen außerordentlich wichtig immer an dieselben Plätze zu gehen. Sie fühlen sich dort bald zu Hause und identifizieren sich mit diesem Platz. Außerdem hatten wir das Gefühl, daß es für die Jüngeren einfacher ist in der freien Umgebung Wald heimisch zu werden, wenn es einen Platz gibt der zunächst ihr “Hauptzuhause” ist. Dieser Platz ist für uns der Wurzelplatz. Er wurde von uns so gestaltet, daß er für die Kindern durch die Hütte, die Feuerstelle und die Begrenzung durch die Fichten einen sichern und überschaubaren Platz darstellen. Fühlen sie sich sicher genug, so können sie von dort aus alleine in den oben angrenzenden Wald zum spielen gehen.

Vorbereitete Umgebung ist die Umgebung, die den Kindern Anreize bietet zu forschen, zu spielen, zu experimentieren oder zu träumen, kurzum den individuellen Entwicklungsbedürfnissen die Möglichkeit bietet sich zu entwickeln. Im Alter von 3-6 Jahren sind Kinder in der sensomotorischen Phase. In dieser Phase ist es außerordentlich wichtig, daß die Kinder sehr viele Erfahrungen mit unstrukturiertem Material machen (Entwicklungspsychologisch ist ein ausreichender Umgang mit unstrukturiertem Material die Basis für die nächste Stufe der Entwicklung, in denen die Kinde Lesen, schreiben und Mathematik erlernen). Sie brauchen viele Anreize bei denen sie sensorische und motorische Erfahrungen in der unstrukturierten Natur machen können. Außerdem beginnt die Phase der endlosen Rollenspiele. Für Rollenspiele brauchen die Kinder Anreize, die sie in irgend einer Form an häusliche und alltägliche Situationen erinnern.

Die Ausstattung des Wurzelplatzes bietet den Kindern Anreize zu forschen, zu spielen, zu experimentieren oder zu träumen - je nach ihren individuellen Bedürfnissen. Die Hütte beherbergt Material zum Bauen, Konstruieren, Malen und Musizieren, und spezielles Material (z.B. Montessori Material), um die in der Natur gewonnenen Eindrücke zu ordnen. Hier können die Kinder mit Kulturmaterial (Werkzeug, Musikinstrumente, usw) experimentieren. Die Kuschelecke bietet den Kindern Geborgenheit und einen geschätzten Platz um sich auszuruhen. Die Materialien im Tipi-Zelt bieten Anreize zum Rollenspiel. Im Sandbereich können die Kinder buddeln, graben und bauen. Die Seile laden zum Schaukeln und Schwingen ein. Im Werkstattbereich lassen sich Steine, Holz und allerlei Schätze aus der Natur bearbeiten. An den Wasserstellen spielen die Kinder mit verschiedenen Gefäßen, holen Wasser zum Spielen im Sand und im Sommer kann auch mal gebadet werden. Am Waldrand lädt ein Schwingseil zu allerlei Bewegung ein, zwischen den Bäumen werden Hütten gebaut, gefrühstückt,  Geschichten erzählt und (meist kleine) Tiere beobachtet.

Die Vorbereitete Umgebung ist zum einen der Wald, der den Kindern eine Vielzahl von sensorischen und motorischen Anreizen gibt und zum anderen die Hütte, der Sandplatz und das Tipi daneben. Hier haben die Kinder die Möglichkeit mit speziellem Montessorimaterial, Bastelmaterial und anderen Materialien wie Flaschen, Bechern, Bauklötzen und einfache Handwerkzeugen ihren spontanen Bedürfnissen mit Kulturmaterial experimentierend nachzukommen. Die Hütte selbst bietet den Kindern durch die Kuschelecke Anreize, Rollenspiele zu machen oder sich einfach nur an einem geschützten Platz auszuruhen.